Erweiterung „Goldene Zeiten“ –
Themenset „Zeit des Wohlstands“
Abschnitt 2 von 4
Wenige Monate später im Empfangsraum des Fürsten:
Mit bekümmerter Miene machte der Kanzler dem Fürsten seine Aufwartung.
„Was schaut er so verdrießlich?“, knurrte der Fürst. „Haben die Bauern ihre Abgaben nicht bezahlt, weil ihre Bälger in der Schule herumlungern, statt sich bei der Ernte nützlich zu machen?“
„Schlimmer, mein Fürst, die Räuber haben wieder zugeschlagen und die euch zugedachte Woll- und Goldlieferung geraubt.“
Der Kanzler duckte sich vor dem auf ihn zu fliegenden fürstlichen Pantoffel und dem gleichzeitig auf ihn herabprasselnden, wütenden Wortschwall.
„Was bildet er sich ein, der Herr Kanzler! Ungeheuerlich, mich mit solch einer grauenhafte Nachricht vor meiner Mittagsruhe zu konfrontieren! Und was gedenkt er gegen das Räuberpack zu tun?“
„Wir könnten Landsknechte einstellen, Hoheit, um die Straßen zu sichern.“
„Aha, Landsknechte. Wenn die ihre Dienste umsonst anbieten, soll’s mir recht sein.“
„Umsonst wohl nicht. Aber wir könnten die Diebe, die im Kerker einsitzen, in das Gebiet der Fürstin schicken und mit der Beute des Diebesverstecks die Landsknechte finanzieren.“
„Guter Vorschlag, Kanzler. Zwei Fliegen mit einer Klappe. Die Erfolge und die Beliebtheit der Fürstin sind mir ohnehin ein Dorn im Auge.“
Im benachbarten Fürstentum spazierte die Fürstin mit einem kleinen Gefolge durch die Straßen ihrer Stadt. Auf einem Platz traf sie auf weinende Kinder, die mit leeren Eimern um einen Brunnen herum standen.
„Kinder, warum weint ihr denn?“
Ein Mädchen wagte sich beherzt vor und knickste unbeholfen vor der Fürstin. „Der Brunnen ist leer, Hoheit, und in allen anderen Brunnen der Stadt ist das Wasser schlecht und macht uns krank. Wenn wir mit leeren Eimern heimkommen, werden unsere Eltern wieder sehr wütend sein.“
„Kein sauberes Wasser?“ Entsetzt blickte die Fürstin zu Ihrer Schwester. „Warum sagt mir das keiner? Da muss man doch etwas dagegen tun!“
„Liebe Fürstin, ich wollte euch nicht damit belästigen. Helfen könnte nur eine Wasserversorgung, die frisches Wasser aus den Bergen in die Stadt bringt. Aber ihr Bau ist zu teuer. Wir können uns das nicht leisten.“
„Doch wir können!“ Mit einer energischen Handbewegung schien die Fürstin die Bedenken ihrer Schwester wegzuwischen.
„Hier laufen eine Menge Handwerker herum, die Arbeit suchen. Wir errichten für sie eine Bauhütte, versammeln sie dort und rüsten sie mit den nötigen Werkzeugen und Baumaterialien aus.“
„Liebe fürstliche Schwester, damit bleibt die Frage der Finanzierung aber immer noch ungeklärt, zudem uns in letzter Zeit Rohstoffe von einer geheimnisvollen Diebesbande gestohlen werden.“
„Die hat uns der Fürst auf den Hals geschickt, dieser Widerling. Aber wir kehren den Spieß um und schicken ihm unsere Hofdame Bera, die Aufrührerin auf den Hals. Die wird seine Unbeliebtheit solange weiter steigern, bis er als Gegenleistung für Beras Abzug bereit ist, uns mit Rohstoffen für den Bau unserer Wasserversorgung auszuhelfen.“
“Zeit des Wohlstands“ ist das erste der drei neuen Themensets der Erweiterung „Goldene Zeiten“ zu „Die Fürsten von Catan“.
Klaus Teuber
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