Wie gut darf eine künstliche Intelligenz in einem elektronischen Catan-Spiel sein?

Klaus TeuberHätte man mir diese Frage vor etwa einem halben Jahr gestellt, so hätte ich geantwortet: Darf? Natürlich muss sie so gut wie irgend möglich sein. Da ein Computerspieler nie einen Menschen beim Siedeln am Brett ersetzen kann, sollte er wenigstens gut spielen.

Bei einem Spiel gegen Computergegner fehlen die Emotionen: Das Klagen, wenn man den Räuber bekommt, das lautstarke Gefeilsche um Rohstoffe oder das Gestichel, mit dem man die Mitspieler dazu bringen kann, gegen den vermeintlich Führenden zu spielen.

Catan - Die erste Insel

Catan - Die erste Insel

Bei der im Jahr 1999 zunächst bei Ravensburger Interactive und später bei USM erschienenen ersten Version von Catan auf dem PC (Catan, die erste Insel) wurde versucht, den PC-Spielern menschliche Züge zu verleihen. Die Computergegner waren hübsch animiert und gaben bei verschiedenen Situationen flotte Sprüche zum Besten.

Die hörten sich zwar bei den ersten Spielen lustig an, nutzten sich dann aber, da der Sprachschatz von Computerspielern naturgemäß beschränkt ist, immer mehr bis zur Monotonie ab.

Siegfried - 1999

Siegfried - 1999

Viele Spieler beschwerten sich damals, dass sie von den Sprüchen genervt seien und beim Spielen auf den Ton verzichteten.

Marlene - 1999

Marlene - 1999

Um das Manko bei der menschlichen Note auszugleichen, sollte eine künstliche Intelligenz zumindest mit einem klugen strategischen und taktischen Spiel dem Menschen am Computer eine herausfordernde Partie bieten.

Catan - Städte & Ritter

Catan - Städte & Ritter

Daher haben wir bei dem im Dezember 2008 erschienenen PC-Spiel „Catan, Städte & Ritter“ unseren Schwerpunkt auf die Entwicklung einer guten KI gelegt. Auf eine Vertonung der Kommentare der Computerspieler haben wir verzichtet, da wir uns nur noch zu gut an die Kritik an der ersten Insel erinnerten.

Allein ich habe über ein halbes Jahr reine Arbeitszeit in die Konzeption der KI, die Feinjustierung der KI zusammen mit dem Programmierer Sebastian Mellin und die unzähligen Tests gesteckt. Veröffentlicht haben wir das Programm mit einer leichten und einer normalen Schwierigkeitsstufe. Eine schwere Spielstufe wollten wir mit einem Addon nachreichen. Die normale Schwierigkeitsstufe war so gestrickt, dass ein geübter Spieler gut damit zurechtkommen sollte. Getestet und verfeinert haben wir die normale Spielstufe solange, bis auch wir von der Catan GmbH einige Spiele der Kampagne verloren. Dann waren wir zufrieden und auch ein wenig stolz auf unser Werk.

Siegfried - 2009

Siegfried - 2009

Stolz waren wir auch deshalb, weil unsere künstliche Intelligenz gänzlich ohne Tricks funktionierte. Weder waren die Würfelfolgen manipuliert noch waren die Computerspieler auf den Menschen fixiert. Beim Setzen des Räubers oder beim Handel sahen die Computerspieler nur Gegner und unterschieden nicht zwischen Mensch und Computerkollegen.

Marianne (Marlene) - 2009

Marianne (Marlene) - 2009

So freuten wir uns auf die Resonanzen der Spielergemeinde auf unsere spielstarke KI. Die Resonanzen kamen, doch sie fielen überwiegend nicht wie von uns erhofft aus. Sicher, wir erhielten auch Lob, doch leider kamen viele Spieler nicht mit der Spielstärke unserer KI zurecht. In manchen Fällen sollen Spieler mehr als 10 Anläufe gebraucht haben, bis sie das erste Spiel der Kampagne schafften. Scheinbar hatten viele das Training mit der leichten KI übergangen und sich gleich in das Abenteuer der Kampagne mit der normalen Schwierigkeitsstufe gestürzt.

Stellvertretend für einige Zuschriften, die wir erhielten, möchte ich folgende Mail zitieren:

„Der angebliche Zufallswürfel beim Computerspiel von Catan ist alles andere als zufällig. Ich frage mich echt, was einen Menschen so bewegt, sich, entschuldigen sie bitte den Ausdruck, so asozial zu verhalten, dass er das Programm so geschrieben hat, dass man gar nicht gewinnen kann..“

In meiner Antwort versicherte ihm, dass ich mich gewöhnlich nicht asozial verhielte und gab ihm mein Wort, dass weder die Würfel manipuliert worden seien noch die Computerspieler sich gegen den Menschen verbünden würden sondern die Computergegner einfach nur gut spielten.

Die Antwort fiel kurz aus:

„Glauben Sie tatsächlich den Scheiß, den Sie mir schreiben?“

Oft wurde auch der Vorgänger „Die erste Insel“ als bessere Alternative genannt, obwohl die Computerspieler dieser Urversion sehr schwach spielen. Scheinbar ist es so, dass viele Menschen bei einer häufigen Niederlage gegen den Computer zuerst an der Seriosität des Programms zweifeln und weniger an der eigenen Spielstärke.

Und wenn man glaubt, dass das Programm „betrügt“, dann fühlt man sich verschaukelt und findet das Spiel schlecht. Das kann ich nachvollziehen.

Würde man mir deshalb heute die Frage stellen, wie gut eine „normale“ künstliche Intelligenz in einem Catan-Spiel sein darf, würde ich antworten: So gut, dass ein Spieler, der nur gelegentlich Catan spielt, kein Problem hat gegen die Computergegner zu gewinnen.

Klaus Teuber

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11 Kommentare zu „Wie gut darf eine künstliche Intelligenz in einem elektronischen Catan-Spiel sein?“

  1. Tim sagt:

    Es gibt einen Trend, dass man Spiele veröffentlicht und dann Cheats drin lässt, damit der Spieler an Design- und Balancingfehlern vorbei kommt. Bei einer Brettspielumsetzung wie Catan kann das eigentlich ja nicht passieren.

    Ich habe das erste Catan gespielt und muss sagen, dass war Zeitvertreib aber keine Herausforderung. Deshalb finde ich es gut, wenn eine KI sinnvoll spielt, vorallem wenn es schon verschiedene Schwierigkeitsstufen gibt.
    Mein Lieblingsumsetzung ist immernoch Caracasonne, nicht weils komplex ist, sondern weil man Gegner hat.
    Dass es immer Leute gibt, die spielen um zu gewinnen ist klar. Aber wer spielt auch schon Catan nur um zu gewinnen.
    Schlechte Verlierer???

    Bestenfalls sollte man die KI vielleicht genauer einstellen zu können, auch hier muss ich wieder auf den Mitbewerber verweisen, wo jeder Aspekt des Spiels definiert werden kann.

  2. Spielevater sagt:

    Ich nutze das PC-Spiel (2008) einerseits zur Vorbereitung auf Turniere, andernseits zum Zeitvertreib in Hotels, da ich gelegentlich im Aussendienst arbeite.
    Dieser Zeitvertreib macht mir Spaß, da die KI ein gutes bis hohes Niveau aufweisst.
    Würde ein “Anfänger”-Modus existieren, so würde ich persönlich, diesen nicht nutzen. Das Niveau das die KI spielt entspricht dem Niveau auf Turnieren. Und wenn man einmal mehrere Anläufe braucht (auch ich hab schon mal über 15 Anläufe gebraucht), dann ist es eben so. Geschenkt wird einem nichts. Die KI ist mMn genau richtig und sehr ausgewogen.
    Und genau SO macht Catan erst richtig Spaß ! ;-)

    Anmerkung:
    Ich würde auf oben zitierte Mails gar nicht antworten, wenn diese so geschrieben sind!
    Und wer nicht verlieren kann, der soll das Spielen am besten ganz bleiben lassen. Oder sein eigenes Spiel erfinden.

    In diesem Sinne
    Grüße aus dem Schwarzwald & weiter so

    P.S. wann kommt das Add-On ??

  3. Andreas sagt:

    Hallo Herr Teuber,

    Ein Spiel, bei dem ich immer gewinne, verliert bei mir schnell seinen Reiz. Ich muss das Spiel auch noch ein halbes Jahr später spielen können, ohne gleich zu wissen, wie die Computergegner reagieren werden. Ich finde daher sehr gut, dass die KI gegenüber “Die erste Insel” verbessert wurde! Und die Idee mit dem Addon finde ich auch gut.

    Andreas

    PS: Wann kommt denn die versprochene Mac Umsetzung von “Catan, Städte & Ritter”?

  4. Fransceska sagt:

    Oh! dachte ich nur, als ich diesen Beitrag gelesen habe. Ja, es ist eine Herausforderung!
    Am Anfang habe ich mich auch immer darüber geärgert, dass ich immer verloren habe…… Inzwischen habe ich wohl gelernt und spiele auch viel “schärfer”, da gewinne ich viel häufiger.
    Mir macht es auch mal Spaß, “gemein” zu spielen, das würde ich bei unserem normalen Spieleabenden mit Freunden oder Familie nie machen wollen.
    Mir macht es Spaß.

  5. admin sagt:

    Nachdem Apple das “Java für Mac OS 10.5 Update 4″ veröffentlich hat, sind alle Probleme gelöst. Wir arbeiten in diesen Tagen an der Mac-Version von “Catan – Städte & Ritter” – es ist zu erwarten, dass wir sie kommende Woche zum Download bereit stellen.

    Folgen Sie uns einfach bei Twitter – damit können Sie sicher sein, als allererster zu erfahren, wenn es soweit ist.

  6. Thorman sagt:

    Hallo,

    ich bin der Meinung, dass eine Computer-Brettspiel-Umsetzung nur so gut ist wie Ihre KI. Da kann ich Tim nur zustimmen, Carcassonne ist die beste Brettspielumsetzung mit KI-Spielern, da man hier wirklich Gegner und nicht nur Opfer hat.
    Auch war die KI bei der “ersten Insel” richtig schlecht. Diese hat sich zwar beim neuen S+R verbessert, aber gerade bei den Städte und Ritter Szenarien ist noch viel Luft nach oben. Da fand ich es übel, dass die Entwicklung der starken Spielstufe gestrichen wurde und hab mittlerweile S+R vom Rechner entfernt, da es kein Spaß macht bei 3 Computermitspielern über 80% der Spiele mit S+R zu gewinnen, gähn.

    Spielerische Grüße
    Thorman

  7. Olli BS sagt:

    Wir – meine Frau und ich – haben das Spiel just an diesem Wochenende erworben. Da wir zu zweit nur selten Catan gegeneinander spielen (den meisten dürfte der Grund bekannt sein), machten wir uns gleich daran, diese Variante zu testen, um sie mit Catan – Die erste Insel vergleichen zu können.

    Das Fazit fällt unterschiedlich aus. Während meine Frau nach zwei, drei Spielen nicht mit der Aufmachung zurecht kam und sich wieder dem “alten” Catan widmete, habe ich nun insgesamt 10 bis 15 Spiele durchgespielt.

    Ich komme zu einem differenzierten Bild bei meiner Bewertung des Spieles. Es stimmt schon, dass die KI sich nicht auf den menschlichen Gegner fokussiert (manchmal sogar immer noch die Computergegner eher angreift, obwohl aufgrund des Punktestandes ein Angriff auf mich eher durchgeführt werden müsste).

    Aber wo ich ganz klar Schwierigkeiten habe ist der Punkt der Würfelergebnisse. Es ist mir in meinen Spielen aufgefallen, dass immer die Augen fallen, die ich gerade nicht besetzt habe. Also habe ich mal Startglück gehabt und mich schön auf Plätze mit 8, 6 oder 10 setzen können, fallen vermehrt 5, 9 oder 11 (gemessen war es im Regelfall so, dass die jeweils drei Zahlen gut 60 – 70 % der Würfe ausmachten gegenüber den anderen drei Werten). Ein Spiel war sogar so einseitig, dass von 100 Würfen 28x die Sieben fiel (nur zwei andere Zahlenkombination waren zweistellig).

    Ich möchte mich nicht beschweren, dass das Spiel zu schwer ist – nein es ist einfach der Eindruck hängen geblieben, dass die KI weiß welche Würfe sie weniger oft fallen lassen muss und das schmerzt ein wenig, da man hierdurch keinen Einfluss hat und auch gar nicht so intensiv ins Spiel einsteigen kann, da kaum Rohstoffe abgegriffen werden können.

    Ansonsten sitze ich weiterhin an der Kampagne und versuche weiter zu kommen.

    Schöne Grüße…
    Olli

  8. Thomas sagt:

    Hallo Ihr Lieben,

    Die KI gefällt mir gut freue mich aber auf das Add on, da ich beim ersten Spielen der Kampagne auf normaler Spielstärke gleich Erster geworden bin und kein Spiel mehr als 3 Mal wiederholen musste.
    Da ich vor diesem ersten Spiel vielleicht 5 Jahre kein Catan Spiel mehr gemacht habe also kein Profi bin und öfters gejammer über die schweren Gegner und dien ungerechten Würfel lese möchte ich fragen: Habt Ihr die KI in Updates zurückgedreht?
    Ich freue mich auf ein schwereres Add On!.

    Gruß

    Thomas

  9. Peter sagt:

    KI ok, Verlieren kein Problem aber das wenn mal gut für einen steht die KI nur 7 Würfelt und oder das man bis zu 6 Runden keine Zahl mehr kommt von seinen 6 Feldern und das diese KI Plötzlich viele Ritterkarten haben so das man nur verlieren kann, ist schon merkwürdig, vor allen das es nicht nur bei einer Partie so ist sondern teils 20 mal hintereinander. Gewinnt man, ist nur weil das Spiel einen Gewinnen läst. Hoffe auf Besserung und das 6 mal die KI die 7 hintereinanderkommt habe ich mit reale Würfel nicht geschaft was bei diesen PC Spiel des öfteren passiert. Liegt an Java version oder woran?

  10. Sebastian sagt:

    Aus meinen Erfahrungen fällt es mir ebenfalls sehr schwer, zu glauben, dass es keine Bevorzugungen bei dem Spiel gibt. Zum einen sind einige Level wesentlich einfacher als andere. Besonders bei 2 Seefahrerszenarien bekomme ich IMMER etwa 4x so häufig den Räuber wie die KI Gegner. Zudem auch immer auf die gleiche Weise als erste Person im Spiel überhaupt und ebenfalls fast immer beim gleichen Wurf in der Spielfolge. Kann so etwas nach über 200 Spielen Erfahrung noch Zufall sein? Die gewürfelten Augen kommen mir ebenfalls nicht sehr zufällig vor, da bei vielen Spielen immer wieder bestimmte Zahlen (u.a. auch 6 oder 8) fast nie auftauchen. Obgleich mich sowas ärgert, da es immer wieder bei bestimmten Spielen extrem auftritt, fordert es mich auch nur noch mehr heraus. Nach jeden 5 erneuten Spielen, bei denen ich wieder diese merkwürdigen Erfahrungen machen, zweifle ich mehr an der Zufälligkeit der Ereignisse. Andererseits kann ich auch nicht erkennen, wie der Zufall ausgehebelt werden sollte, wenn sie ihn so einprogrammiert haben.

  11. Martin sagt:

    Bei manchen Spielen mit Catan habe ich die Würfel getauscht, weil ich so angefressen über die Würfelergebnisse war. Wieso soll das nun anders sein? Solange es gut für einen läuft und permanent die Zahlen kommen, die einem nützen beschwert man sich ja auch nicht. Aber wehe, wenn mal ein, zwei Runden keine Rohstoffe mehr reinkommen…
    Was natürlich auffällt ist, dass die Computergegner eben rein Taktik spielen. Hat man mehr Siegpunkte als die anderen, wird nicht getauscht sondern man wird mit einem Handelsembargo ;) belegt. So spiele ich aber auch.
    Insgesamt kann es manchmal frustrierend sein, andererseits: das Spiel ist einfach mal eine wirklich gute Simulation dessen, wie man mit geübten Spielern gemeinsam spielen würde.
    Für die Leute, die sich einen Schachcomputer kaufen und diesen dann auf die leichteste Stufe stellen um immer zu gewinnen ist das Spiel jedoch nicht geeignet.
    just my 2 cents

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